Vielfältiges Gedenken an die opfer der Reichspogromnacht in Löbtau

Am Freitag, den 9. November, gab es mehrere Veranstaltungen in #Dresden #Löbtau in Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht.
Bereits am Vorabend hatte das Künstlerkollektiv „Radical Performance Collective“ vor dem Thor Steinar Laden auf der Kesselsdorferstraße einen Berg aus Glasscherben vor den Laden gelegt und diesen mit Kerzen drapiert . „Laut Presse wollten die Akteure den Mitarbeitern und Kunden vor Augen halten, dass sich schuldig macht, wer 80 Jahre nach der Reichspogromnacht rechtsextremen Gedankengut ahängt und verbreitet.“
http://www.dnn.de/…/Scherben-vor-Thor-Steinar-Laden-Kuenstl…
Das Outlet auf der Kesselsdorferstr. 21 verkauft ausschließlich Kleidung der neonazistischen Marke Thor Steinar. Bereits am 27.01.2018 hatte das Kollektiv den Laden zu einer temporären Gedenkstätte umfunktioniert und dabei an die Opfer des Konzentrationslagers Auschwitz gedacht. Im damaligen Artikel der DNN wurde auch auf die Verstrickungen des Ladens mit der Freien Kameradschaft Dresden hingewiesen.
https://m.sz-online.de/…/gruppe-plakatiert-loebtauer-laden-…

Am späten Nachmittag des diesjährigen 9. Novembers veranstalteten wir zusammen mit der „Antifaschistischen Initiative Löbtau“ einen Stadtrundgang. Los ging es mit fast 40 Menschen um 17:30 an der Brache Poststraße/ Ecke Kesselsdorfer Straße eben jene Brache, auf der das Mephisto zusammen mit der AfD sein „950 Jahre Löbtau“ Fest veranstaltet hatte. Dort wurde ein Gedenkschild für den 1938 nach Buchenwald deportierten Juden Kurt Steinhart aufgestellt. Er war, zusammen mit seinem Bruder Werner, Besitzer des Kaufhauses auf der Kesselsdorferstraße 17, welches die Familie Steinhart 1938 zwangsverkaufen musste. Nachdem Kurt Steinhart 1939 das KZ mit Auflagen verlassen durfte, flüchtete er nach Frankreich, wo er sich der Résistance anschloss, bevor er 1942 verhaftet wurde. Im Juni des gleichen Jahre wurde er in Auschwitz ermordet.
Mehr zur Biografie der Familie Steinhart könnt hier nachlesen
https://stsg.de/cms/biographie/kurt-steinhart
oder anschauen
https://www.youtube.com/watch?v=2Zhk5GVpqz0

Gemeinsam ging es weiter zur Chausseehausstraße 8, wo an den Kriegsdienstverweigerer und Zeugen Jehovas Heinz Max Wenke erinnert wurde. Wenke fand am 11.10.1943 durch das Fallbeil im Zuchthaus „Roter Ochse“ in Halle den Tod.
An der Bodelschwinghstraße liegen die Stolpersteine von Ruth Kirschbaum und ihrer Mutter Bertha. Beide wurden im Rahmen des Euthanasieprogrammes der Nazis in der Tötungsanstalt Großschweidnitz ermordet.
Unsere letzte Station war die Stollestraße 41. Dort lebte Athur Weineck. Er war organisierterer Kommunist und wurde im März 1933 erstmals verhaftet. Nach seiner Entlassung organisierte er zusammen mit Kurt Schlosser den Widerstand gegen das NS-Regime. Mit diesem wurde er 1943 verhaftet und knapp ein Jahr später mit dem Fallbeil in Dresden hingerichtet. An diesem Stolperstein hatte bereits die SPD Dresden-West Kerzen und Blumen niedergelegt.
Auch in der Dresdner Neustadt gab es einen Rundgang mit 60 Teilnehmer*innen.

Es freut uns, dass so viele Menschen die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit aufrecht halten. Gerade in Zeiten, in denen die AfD eine „geschichtspoltische Wende um 180 Grad“ fordert, ist es umso wichtiger, die Taten der Nazis nicht zu vergessen. Ihre Opfer sollten uns täglich mahnen, weiterhin aktiv zu bleiben – auch hier in Löbtau!

Vielen Dank an die „Antifaschistische Initiative Löbtau“ für die gute Zusammenarbeit.
Vielen Dank an Willkommen in Löbtau e.V., das ihr zum 950 Jahre Sommerfest den Link über Kurt steinhart geteilt habt.

gez. KeinViertelFürAusgrenzung

Gedenken 1
Gedenken 2


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